Adam Ries 

    (1492 - 1559)

Lebensdaten
Rechenbücher
Coß
Literatur
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Lebensdaten

1492 geboren in Staffelstein
1559 gestorben am 30.3.in Annaberg
1518 Erfurt
1522 als Rechenmeister in Erfurt genannt
seit 1523 Rechenmeister und Bergwerksbeamter in Annaberg.
Daneben Verfasser mehrerer Lehrbücher und Betreiber einer erfolgreichen Rechenschule.
1525 Rezeß-Schreiber. Aufgaben: Prüfung der Grubenrechnungen, Liste über die Ausbeute der Zechen, Gewinn- und Verlustrechnung der Gruben
1539 Churfürstlich Sächsicher Hofarithmeticus
Ries hat keine eigenständige mathematische Leistungen erbracht, er hat auch die Symbolik nicht weiterentwickelt.
Lediglich orginelle Verfahren zur Konstruktions von magischen Quadraten sind originäre Leistungen von Ries.
Seine herausragende Bedeutung besitzt er durch die Verbreitung der Rechenkunst in alle Schichten des Volkes.
Dies war auch sein erklärtes Ziel. Seine Studien zur Algebra, die Coß, die ihn als Mathematiker auf der Höhe der Zeit ausweisen, wurden wegen der hohen Druckkosten zu Lebzeiten nicht veröffentlicht.

Quellen von Ries
Georg Stortz oder Sturtz (1490 - 1548), Sohn eines reichen Grubenbesitzers aus Buchholz bei Annaberg.

Sturtz war Arzt und hielt Vorlesungen an der Universität Erfurt, 1523 war er dort Rektor.1537 und 1540 wurde er als Arzt zu Luther und Melanchton gerufen.Sturtz besaß eine reiche Bibliothek, die er seinen Freunden zugänglich machte.1522 stellte er Adam Ries den Codex Dresden C 80 zur Verfügung. (Gericke: Mathematik im Abendland, S. 225)
Der Codex Dresden C 80 umfaßt in 420 Blättern die Algebra-Studien des Rechenmeisters und Cossisten Johann Widmann.
Das Wort Algebra (al gabe) stammt von al-Hwarizmi. Die Bezeichnung Coß ist die italienisch/lateinische Übersetzung der arabischen Bezeichnung für die Unbekannte. Coß stammt von lat. cosa (Ding, sache). Die Coß ist also das Dingrechnen. Ries spricht in seiner Algebra auch tatsächlich von der Dingrechnung.
Johann Widmann hat in seiner Handschrift seine Kenntnisse zusammengefaßt, die er aus arabischen oder italienischen Quellen zusammengetragen hat. Darin enthalten ist auch eine Vorlesung, die er im SS 1486 in Leipzig gehalten hat - die erste Algebra-Vorlesung an einer deutschen Universität.

Werke

Rechenbücher
Das erste Rechenbuch von Adam Ries entstand 1518. Die erste Auflage ist nicht erhalten, aber die 2. Auflage aus dem Jahre 1525. Siehe Abbildung des Titelblatts
Dieses Buch war ganz dem Linienrechnen gewidmet, d.h. dem Abakusrechnen (siehe Abb.)
Es enthält eine Sammlung von gefälligen und praktischen Aufgaben aus verschiedenen Bereichen des Wirtschaftslebens. Wir finden Preisberechnungen von Waren wie Wein, Öl, Unschlitt, Wachs, Honig, Zwiebelsamen, Hafer, Stroh, Heu, Kalmus, Alaun, Weinstein, Feigen, Pfeffer,Ingwer, Safran, Nelken, Lorbeer, Wolle, Tuch, von Stoffen verschiedener Qualität, von Leder, Zinn, Messing, Silber und Gold. 
Die zentrale Methode ist dabei der Dreisatz, wobei die Rechnungen aufgrund der nicht dezimalen Größenverhältnisse bei Währungen und Maßen komplizierter sind als heute.
Ein eigenes Kapitel behandelt den Geldwechsel, ein anderes "Silber- und Goldrechnung" (Feingehalt und Preise von Legierungen).
Die Aufgaben sind der Schwierigkeit nach geordnet, das Lösungsverfahren wird ausführlich beschrieben aber nicht begründet. Deschauer, 1992, S. 3
Das 1. Rechenbuch wendet sich ausdrücklich an Kinder. Im Vorwort der 2. Auflag heißt es:
"Und habe vor etlichen Jaren dieses rechnbuchlein auff der linihen in truck lassen aufgehen, darinnen die kinder vor das erste in gemeyner rechnung underweyset zur begreyffunge grösserer dinge, geschickt wurden."
Das zweite Rechenbuch von Adam Ries entstand bereits 1522.
Es wendet sich hauptsächlich an junge Kaufmanns- und Handwerkerlehrlinge.
Auch hier beginnt er mit dem Linienrechnen, aber es dient hier nur zur Hinführung zum Ziffernrechnen, den "Algorismus", der über Indien und die islamische Welt nach Europa vorgedrungen ist.
Im Vergleich zum 1. Buch ist der Umfang der Aufgaben erweitert, es sind auch schwierigere Aufgaben hinzugekommen. Alle damals relevanten Bereiche des irtschaftslbens sind vertreten. Es gibt nun auch Aufgaben zum Zins- und Zinseszinsrechnen, zur Metallurgie und zum Münzen-Schlagen.
Außerdem gibt es zahlreiche Aufgaben aus der Unterhaltungsmathematik, also Denksportaufgaben
Ein umfangreiches Kapitel behandelt Aufgaben, die wir heute mit linearen Gleichungssystemen behandeln würden.
Ries verwendet die von den Chinesen und Araben übermittelte Methode des sogenannten doppelten falschen Ansatzes (Regula falsi).

Die Coß
Die erste Fassung der Coß wurde 1524 vollendet 
(Edition. Auszugsweiser Abdruck in Gebhardt).
Die zweite Fassung entstand zwischen 1544 - 1550.
Inhalt: (nach Gebhardt)
 
S. 2 Widmung von Georg Stortz
S. 4 Einleitung in die Arithmetik
S. 7 Stellenwertsystem, Einteilung der Zahlen
S. 11 Andreaskreuz, Neunerprobe
S. 44 Quadratwurzel
S. 109 Einführung in die algebraische Symbolik
S. 111 Die acht Gleichungsregeln des Algebras
S. 122 Beginn der 322 Aufgaben aus Coß 1, 
alle vom Typ bx=a
S. 324  Abschlußbemerkung zur Coß 1
S. 329 Vermächtnis an seine Söhne
S. 329-
    456
Coß 2
S. 507-
    527
Data des Jordanis Nemorarius
Beispiel der Neunerprobe aus der Coß:
      7 869
      8 796
    --------
    16 665
Coß S. 11f
"Nun nim für dich das ander exempel. Mach ein ceutz Zum ersten als X
Nim die Prob von der obernn Zal alß von 7869 ist 3 setz in ein veld des creutz also 3X
Nun nim die proba von der andernn zal das ist von 8796
Ist auch 3 setz vff das ander veldtt neben vber also3X3
6
Addir nun zusamenn 3 vnd 3 wirtt 6 setz obnn wie hi  3 X 3
were aber vber 9 komen so mustu 9 hinwegk genumen habenn vnd das vberig fur die Prob gesetzt haben,
so du nun die prob von beyden zalnn oben gesatzt genumen Vnd zusamen addirrt hast,
so Nime alß dann die prob auch von dem das do auß dem addirnn kommen ist.
Das ist von der vnderstenn zal vnder der linichen alß hie im andern exempel 16665.
Nim hinwegk 9 so offt du magst pleibn 6 vberig die setz vnden in das ledige feltt
Ist gleich souil sam oben stett Vnd so weniger aber meher komen 
6
wer so hettestu im nicht recht gethan, sonder stett wie hi 
3 X 3
6
Gebhardt, S. 12

Ein gerechent Büchlein auff den Schöffel, Eimer vnd Pfundtgewicht. 1533
Das erste bekannte Tabellenbuch für die Praxis. Daraus konnte der Bäcker, aber auch sein Kunde entnehmen, wie schwer das "Pfennigbrot", also ein Brot zum Preis von 1 Pfennig, bei schwankendem Getreidepreis sein mußte. Im Vorwort schrieb er, daß es ihm darum gehe, daß der arme gemeine man ym Brotkauff nicht vbersezt (übervorteilt) würde.

Literatur