England
Amerika
Reiseplanung"In dem folgenden Abschnitt will ich nun alles zusammenfassen, was ich
Interessantes zu sehen Gelegenheit hatte und zu keinem der früher behandelten
Gegenstände paßte. Die chronologische Ordnung ist hierfür die einzig passende, und so
entsteht von selbst eine Art Reisebeschreibung, bei der ich mich auf das rein Technische
beschränken muß, weil mich das Skizziren und Ausarbeiten des Gesehenen so sehr
beschäftigt hat, daß es vermessen von meiner Seite wäre, das Wenige, das ich in meinen
Musestunden von den Sitten, Gebräuchen der Völker zu erhaschen im Stande war, auch nur
als einen Beitrag den vielen trefflichen Reisebeschreibungen, die wir [2] über England
und Amerika besitzen, an die Seite stellen zu wollen. |
Sekretair der Anstalt Herrn Manby und seinem Assistenten Herrn Forster, die mit größter Bereitwilligkeit einem auf die bemerkenswerthen Bauten aufmerksam machen, Auskunft über alles möglicher Weise noch Unklare ertheilen, die vortrefflichsten Reisepläne dem mit dem Land noch Unbekannten entworfen und ihn endlich noch mit einem Empfehlungsschreiben an alle Mitglieder versehen, das die Thore beinahe aller Werkstätten und Fabriken öffnet. Hier war es wo ich Gelegenheit hatte das technische England einigermaßen kennen zu lernen und zu studiren, und dank der Gefälligkeit der obengenannten Herren, trat ich ausgerüstet [3] mit den nothwendigen Notizen und Empfehlungen meine Reise ins Innere an."
Aus: Bertram Maurer: Karl Culmann und die graphische Statik. Diepholz u.a. 1998, S. 285"Auf der Eisenbahn von Glocester nach Birmingham befuhr ich bei Bromsgrove die
schiefe Ebene (Lickey-incline) auf der mit Lokomotivenbetrieb jene günstigen Resultate
erzielt wurden, die bei dem Bau der schiefen Ebene von Markt-Schorgast im Fichtelgebirge
ebenfalls für den Betrieb mit Lokomotiven entschieden. /: Siehe die Beschreibung dieser
schiefen Ebene Seite 145 Jahrgang 1851 :/
Schon längst hatte ich mich gefreut in der Umgegend von Birmingham jene großartigen
Eisenwerke zu sehen, von deren Ergiebigkeit die ganze Welt voll ist und die ich mir noch
größer und schöner eingerichtet vorstellte, als die Werke, die ich in Rheinhaussen und
Belgien sah. Meine Erwartungen wurden aber in dieser Beziehung getäuscht, wie überall,
wo sie überspannt sind. Ich bekam kein Werk zu sehen, das man z. B. dem von Seraing an
die Seite stellen könnte, dagegen bekam ich mehr Kamine zu sehen, als ich je zu [6]
gleicher Zeit gesehen habe, denn das Großartige liegt mehr in der Zahl, als in der
Ausdehnung der einzelnen Kohle- und Eisenwerke.[...] Jede derartige Anstalt ist von dem
unvermeidlichen Kamin begleitet, und die Hunderte Kamine, die man auf dem freien öden
Felde draußen zählen kann, verbreiten einen Rauch, der die Sonne nur noch als eine matte
gelbe Scheibe erscheinen läßt, die man ungeblendet anschauen darf. Allein nicht nur die
Luft, sondern alles was man sieht, ist schwarz. Die Häuser und selbst die wenigen
verdorrten Blätter, die man noch hie und da zu sehen bekommt, haben einen schwarzen
Anstrich, und nach der Menge Rauch und Ruß zu urtheilen, die man verzehrt, muß [7] nicht
nur das Aeußere, sondern auch das Innere der Bewohner dieser Gegend ganz schwarz sein.
Deshalb darf man sie aber nicht für böse halten, im Gegentheil sie sind in der Regel
recht gute Leute, die immer alles mit dem größten Vergnügen zeigen. Leider aber giebt
es nicht viel Sehenswertes hier; die Massen Kohlen, die hier gefördert, Eisen, die
erzeugt werden, sind es allein, die unsere Bewunderung in Anspruch nehmen.
"Bei Smethwick besuchte ich die Werkstätte Fox und Henderson´s [...]. Das Bemerkenswerteste daselbst für mich war, eine dort im Werkhof aufgeschlagene Längenhängwerk-Rippe aus Kesselblech von schweren collossalen Dimensionen, bei sehr kleiner Spannweite. Ich konnte nicht umhin, mein Befremden über diese eigenthümliche Construction auszudrücken und erfuhr nun, daß die vorliegenden Brückenträger ursprünglich in Holz projektirt worden waren, und Fox und Henderson sich erboten hatten, sie ebenso billig aus Eisen herzustellen, und daß dieses Angebot unter der Bedingung angenommen worden sei, die Dimensionen der hölzernen Träger beizubehalten, was nur bei Anwendung von hohlen Kesselblech-Balken möglich war. Da ohne Zweifel diese Balken einen Holzfarbanstrich erhalten werden, so zeigt sich hier die eigenthümliche Erscheinung, daß diese Engländer das dauerhaftere und festere Eisen für das schwächere, leichtere Holz ausgeben wollen. Bei uns kommt es oft vor, daß man Backsteine als Quader-Mauerwerk, oder hölzerne Bogensprengwerk-Brücken, als steinerne Brücken erscheinen lassen will; allein Stein oder Eisen für Holz ausgeben [9] zu wollen, kam noch nicht vor. Diese Erscheinung läßt sich nur dadurch erklären, daß das Aeußere aller Dinge mehr vom Luxus als vom Geschmack bestimmt wird. Wie oft muß nicht die schöne blaue Eisenfarbe dem Gelb des schimmernden theuren Goldes weichen, und weil Holz in England theurer als Eisen zu werden beginnt, bekommt dieses sogar eine Holzfarbe, als schämte man sich des guten soliden nützlichen Eisens.
Aus: Bertram Maurer: Karl Culmann und die graphische Statik. Diepholz u.a. 1998, S. 287